| 1 | IT-unterstützte Erwerbstätigkeit eröffnet aufgrund ihrer |
| 2 | räumlichen und zeitlichen Flexibilisierungspotenziale [FN: |
| 3 | Vgl. hierzu Abschnitt 3.3.1.] neue Gestaltungsoptionen für |
| 4 | eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Dies gilt |
| 5 | namentlich für die durch digitale Vernetzung möglich |
| 6 | gewordenen Formen mobiler Arbeit und hier insbesondere für |
| 7 | die Variante der alternierenden Tele(heim)arbeit. Vor allem |
| 8 | drei Faktoren sind es, die bei dieser Arbeitsform dazu |
| 9 | beitragen können, die Handlungsspielräume der Beschäftigten |
| 10 | – ob Frauen oder Männer – zu erweitern und deren |
| 11 | Lebenszufriedenheit zu erhöhen, „da diese unter anderem |
| 12 | verbesserte Möglichkeiten haben, persönlichen |
| 13 | Verpflichtungen (z. B. der Pflege älterer Angehöriger, der |
| 14 | Beaufsichtigung von Kindern) nachzukommen“ (Stock-Homburg |
| 15 | 2011): |
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| 17 | Zum ersten erbringt Telearbeit aufgrund des Wegfalls von |
| 18 | Wegezeiten zwischen Wohnung und Arbeitsplatz in aller Regel |
| 19 | einen Zeitgewinn für die Betroffenen, der zumindest |
| 20 | partiell auch für die Wahrnehmung privater Aufgaben |
| 21 | verwendet werden kann. [FN: In einer Stellungnahme |
| 22 | gegenüber der Enquete-Kommission wurde hierzu am Beispiel |
| 23 | einer Erhebung zur Telearbeit bei der Deutschen Telekom |
| 24 | berichtet, dass sich nach den Angaben von 41% der befragten |
| 25 | Telebeschäftigten „ihre tägliche Gesamtarbeitszeit in und |
| 26 | wegen der neuen Arbeitszeitform erhöht habe – zu Hause |
| 27 | werde die Arbeitszeit nicht selten länger ausgedehnt als im |
| 28 | Betrieb, wobei 29% davon ausgingen, dass diese |
| 29 | ‚schleichende‘ Arbeitszeitverlängerung auf eine |
| 30 | Größenordnung von über zwei Stunden pro Woche veranschlagt |
| 31 | werden könne. Anders stellte sich die Situation der |
| 32 | Telebeschäftigten jedoch bei der ‚arbeitsgebundenen‘ Zeit |
| 33 | dar – der Summe aus reiner Arbeitszeit und Wegezeiten also. |
| 34 | Hier gingen zwei Drittel [...] von einer Verkürzung aus, |
| 35 | die von 19% (der Befragten) auf eine doch erhebliche |
| 36 | Größenordnung von über fünf Stunden wöchentlich taxiert |
| 37 | wurde. Im Ergebnis führt Telearbeit also offenbar dazu, |
| 38 | dass viele zwar einerseits länger arbeiten, gleichwohl aber |
| 39 | – vor allem bedingt durch den Wegfall von Anfahrtszeiten – |
| 40 | mehr Zeit für sich und ihre Familie haben.“ (Schwemmle |
| 41 | 2010, S. 15f.)] |
| 42 | |
| 43 | Zum zweiten ermöglicht Telearbeit eine Variabilisierung |
| 44 | von Arbeitszeiten, die sich – eher als dies im Rahmen |
| 45 | betriebsgebundener Arrangements möglich ist – wenigstens |
| 46 | teilweise auch in „Tagesrandlagen“ platzieren lassen, |
| 47 | wodurch die Erledigung nicht-beruflicher Verpflichtungen |
| 48 | während klassischer Arbeitszeitphasen möglich wird. |
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| 50 | Zum dritten erlaubt auch die durch Arbeit im häuslichen |
| 51 | Bereich eher gegebene räumliche Nähe zu |
| 52 | Kinderbetreuungsangeboten, Einkaufsmöglichkeiten, |
| 53 | Sportstätten u.ä. eine bessere Koordination beruflicher und |
| 54 | privater Anforderungen. |
| 55 | |
| 56 | Die positiven Wirkungen dieser Faktoren konnten in einer |
| 57 | Vielzahl empirischer Studien [FN: Vgl. für viele andere nur |
| 58 | Junghanns / Pech 2008, Seger 2005, und Winker 2003.] |
| 59 | verifiziert werden, die den Beleg erbracht haben, „dass |
| 60 | sich mit dieser neuen Form IT-gestützten Arbeitens in |
| 61 | zeitweise häuslicher Umgebung Chancen für eine flexiblere |
| 62 | individuelle Lebensgestaltung von Frauen und Männern |
| 63 | ergeben [...]. Die Synchronisation verschiedener |
| 64 | Anforderungen aus den unterschiedlichen Arbeits- und |
| 65 | Lebensbereichen wird einfacher. Während von einer besseren |
| 66 | organisatorischen Vereinbarkeit von Beruf und Familie beide |
| 67 | Geschlechter gleichermaßen profitieren, ermöglicht |
| 68 | alternierende Telearbeit vor allem Frauen in traditionellen |
| 69 | Geschlechterarrangements die Integration des Berufs in eine |
| 70 | Lebenssituation, die von familiären Verpflichtungen geprägt |
| 71 | ist. Bei Männern gewinnt andersherum in einer stark auf den |
| 72 | Beruf ausgerichteten Lebensphase die Beschäftigung mit der |
| 73 | Familie mehr Raum.“ (Winker 2003, S. 73f.) |
| 74 | |
| 75 | Die genannten Benefits ortsflexibler digitaler Arbeit, die |
| 76 | zumindest teilweise auch im häuslichen Umfeld erbracht |
| 77 | werden kann, kommen potenziell all denjenigen |
| 78 | Beschäftigtengruppen zugute, für deren Bedürfnisse oder |
| 79 | spezifische Lebensumstände eine permanente Präsenz im |
| 80 | Betrieb kein optimales Arrangement darstellt. Dies gilt |
| 81 | etwa für Arbeitnehmer, bei denen alternierende |
| 82 | Tele(heim)arbeit ein Element alternsgerechteren Arbeitens |
| 83 | darstellen und einen gleitenden Übergang in die |
| 84 | Nichterwerbsphase erleichtern kann. Ebenso sind |
| 85 | IT-gestützte Arbeitsformen auch für in ihrer Beweglichkeit |
| 86 | beeinträchtigte Beschäftigte eine Option. |
| 87 | |
| 88 | |
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| 90 | |
| 91 | Barrierefreiheit: Den digitalen Mehrwert für alle sinnvoll |
| 92 | nutzen |
| 93 | |
| 94 | |
| 95 | Eine gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit |
| 96 | Beeinträchtigungen [FN: Angelehnt an die |
| 97 | UN-Behindertenrechtskonvention |
| 98 | (https://www.un.org/Depts/german/uebereinkommen/ar61106-dbgb |
| 99 | l.pdf) liegt hier ein Verständnis von Behinderung zu |
| 100 | Grunde, das aus dem Wechselverhältnis zwischen Menschen mit |
| 101 | Beeinträchtigungen und Barrieren in der Einstellung sowie |
| 102 | der Umwelt entsteht und im Ergebnis die gleichberechtigte, |
| 103 | uneingeschränkte und wirksame Teilhabe an der Gesellschaft |
| 104 | behindert. Man ist also nicht behindert, sondern wird |
| 105 | mangels Barrierefreiheit und mangels angemessener |
| 106 | Vorkehrungen, wie personaler und technologischer Assistenz, |
| 107 | an der gesellschaftlichen Teilhabe behindert.] in der |
| 108 | digitalen Welt muss befördert und beschleunigt werden. Die |
| 109 | Digitalisierung weiter Teile des Lebens schafft gerade für |
| 110 | Menschen mit Beeinträchtigungen zahlreiche neue |
| 111 | Teilhabechancen. Gleichzeitig stellt die Digitalisierung |
| 112 | und Durchdringung des Lebens durch das Internet Menschen |
| 113 | mit Beeinträchtigungen vor neue Herausforderungen. Menschen |
| 114 | mit Seh- oder Hörbehinderung sind oftmals mit dem Umstand |
| 115 | konfrontiert, an wesentlichen Inhalten der Medienwelt nicht |
| 116 | teilhaben zu können. Durch die Digitalisierung kompletter |
| 117 | Lebensbereiche, somit auch in verschiedenen |
| 118 | Arbeitskontexten, können Menschen mit Beeinträchtigungen |
| 119 | von diesen, ins Digitale transformierten Bereichen komplett |
| 120 | abgeschnitten sein. Um hier Abhilfe zu schaffen, sind |
| 121 | deshalb über die letzten Jahre und Jahrzehnte immer wieder |
| 122 | mehr oder weniger geeignete Formen der Darbietung von |
| 123 | medialen Inhalten entwickelt worden. |
| 124 | |
| 125 | Ob die Digitalisierung auch zu realen Verbesserungen für |
| 126 | Menschen mit Beeinträchtigungen führt, hängt ganz |
| 127 | entscheidend davon ab, ob es Gesellschaft und Politik |
| 128 | gelingt, entsprechende Anreize zu schaffen und |
| 129 | voranzutreiben, um eine verbesserte digitale Teilhabe von |
| 130 | Menschen mit Beeinträchtigungen zu fördern. Technische |
| 131 | Strukturen dürfen für Menschen mit Beeinträchtigungen kein |
| 132 | Hinderniss für eine Teilhabe am Arbeitsmarkt darstellen. |
| 133 | Maßgebend sind hier das in Artikel 3 des Grundgesetzes |
| 134 | verankerte Gleichbehandlungsprinzip von Menschen mit und |
| 135 | ohne Behinderung sowie die auch von Deutschland |
| 136 | ratifizierte UN-Konvention für Menschen mit Behinderung |
| 137 | genauso wie einfachgesetzliche Normen wie das |
| 138 | Behindertengleichstellungsgesetz und Verordnungen wie die |
| 139 | "zur Schaffung barrierefreier Informationstechnik“ (BITV). |
| 140 | |
| 141 | Menschen mit Beeinträchtigungen können derzeit an vielen |
| 142 | Angeboten, die durch digitalisierte und internetbasierte |
| 143 | Dienste an- und dargeboten werden, nicht teilhaben. Dieses |
| 144 | Problem entsteht, wenn bereits im Designprozess nicht die |
| 145 | verschiedenen Fähigkeiten und Bedürfnisse von Menschen |
| 146 | einbezogen werden. Zwei resultierende Probleme ergeben sich |
| 147 | daraus: Einerseits kann die Ein- oder Ausgabe von |
| 148 | Information technisch unmöglich oder mangelhaft sein, in |
| 149 | dem beispielsweise keine Bildschirmtastatur zur |
| 150 | vereinfachten Eingabe angeboten wird, bzw. Angeboten werden |
| 151 | kann. Dies kann beispielsweise an unzureichender |
| 152 | Programmierung von Software und Betriebssystemen und ihren |
| 153 | Schnittstellen liegen. Andererseits kann ein bestimmtes |
| 154 | Informationsangebot (beispielsweise eine Stellenbörse im |
| 155 | Internet) auch logisch so aufgebaut sein, dass es sich nur |
| 156 | über eine bestimmte Art, beispielsweise die visuelle |
| 157 | Wahrnehmung, erschließen lässt und eine alternative |
| 158 | Erfassung der Inhalte z.B. über Programme, die Texte |
| 159 | vorlesen können, unmöglich ist. Hier gilt es Abhilfe zu |
| 160 | schaffen. |
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3.3.5 Chancen der Inklusion (Originalversion)
von EnqueteBuero, angelegtDiese Version hat keinen Text. -
3.3.5 Chancen der Inklusion (Originalversion)
von EnqueteSekretariat, angelegt
