| 1 | Vertrauensbasierte Beziehungen sind insbesondere dort ein |
| 2 | unabdingbarer Erfolgsfaktor, wo es um netzgestützte |
| 3 | Zusammenarbeit standortverteilter Akteure und die |
| 4 | Bereitstellung und Teilung von Wissen auf digitalen |
| 5 | Plattformen geht. Solche neuen Formen kollaborativen |
| 6 | Arbeitens, die sich der vielfältigen Möglichkeiten von |
| 7 | Social Software [FN: Das Fraunhofer-Institut für |
| 8 | Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) definiert Social |
| 9 | Software als „webbasierte Anwendungen, die Menschen beim |
| 10 | Informationsaustausch, dem Beziehungsaufbau und der |
| 11 | Kommunikation in einem sozialen Kontext unterstützen und |
| 12 | sich dabei an spezifischen Kriterien orientieren. Dabei |
| 13 | steht der Aspekt der Interaktion und des sozialen |
| 14 | Miteinanders im Vordergrund. Social Software ist geprägt von |
| 15 | einer verstärkten Nutzerbeteiligung und hoher |
| 16 | Interaktivität. […] Durch ihren simplen und intuitiven |
| 17 | Aufbau unterstützen sie Mitarbeiter bei der Veröffentlichung |
| 18 | von eigenen Inhalten oder tragen dazu bei, im Unternehmen |
| 19 | existierende Kompetenzen transparent werden zu lassen sowie |
| 20 | Beziehungen zwischen Mitarbeitern zu etablieren.“ |
| 21 | (Fraunhofer-IAO: Wissensmanagement 2.0 – Erfolgsfaktoren für |
| 22 | das Wissensmanagement mit Social Software. 2010, S. 6) |
| 23 | Unterscheiden lassen sich bei Social-Software-Anwendungen |
| 24 | solche mit dem Fokus „Information“ (zum Beispiel Wikis, |
| 25 | Twitter, Social Bookmarking), mit dem Fokus „Beziehungen“ |
| 26 | (Social Networks, Special Interest Communities) und mit dem |
| 27 | Fokus „Kommunikation“ (Blogs, Instant Messaging) (vgl. |
| 28 | Fraunhofer-IAO, Wissensmanagement 2.0 – Erfolgsfaktoren für |
| 29 | das Wissensmanagement mit Social Software. 2010, S. 18ff.). |
| 30 | ] bedienen, haben – nicht selten unter dem Label „Enterprise |
| 31 | 2.0“ [FN: „Enterprise 2.0 beschreibt den Einsatz von Web |
| 32 | 2.0-Werkzeugen in Unternehmen mit dem Ziel, interaktive |
| 33 | Wertschöpfung durch offene und transparente Kommunikation |
| 34 | und Zusammenarbeit zu fördern.“ Hellmuth, Dirk: Enterprise |
| 35 | 2.0 – (R)evolution der Unternehmensorganisation. |
| 36 | Präsentation beim BITKOM AK Business Collaboration und |
| 37 | Enterprise 2.0 am 21.03.2012 in Frankfurt. Abrufbar unter: |
| 38 | http://www.trends2move.de/wordpress/?p=394] – mittlerweile |
| 39 | auf breiter Front Einzug in den Arbeitsalltag gehalten und |
| 40 | werden dort mit zunehmender Intensität genutzt. |
| 41 | Entsprechende Anwendungen „bieten großes Potenzial für den |
| 42 | Einsatz in Unternehmen. […] Einerseits kann Social Software |
| 43 | in unternehmensinternen Bereichen wie dem Management von |
| 44 | Beziehungen, Wissen und Innovationen, z. B. in Forschung und |
| 45 | Entwicklung oder dem Vertrieb eingesetzt werden. |
| 46 | Andererseits kann Social Software in unternehmensexternen |
| 47 | Bereichen wie Marketing und Kundenservice Anwendung finden.“ |
| 48 | [FN: Fraunhofer-IAO: Wissensmanagement 2.0 – Erfolgsfaktoren |
| 49 | für das Wissensmanagement mit Social Software. 2010, S. 26.] |
| 50 | Einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey zufolge |
| 51 | können Unternehmen, die die Möglichkeiten des Web 2.0 für |
| 52 | sich ausschöpfen, ihre Leistung im Schnitt um 5 Prozent |
| 53 | steigern. [FN: Vgl. Werle, Klaus: Unter App-aratschiks. |
| 54 | manager magazin 2/2012.] Die rasante Ausbreitung und |
| 55 | verstärkte Nutzung kollaborativer Werkzeuge scheint jedoch |
| 56 | nicht allein – möglicherweise noch nicht einmal primär – |
| 57 | durch managementseitige Rationalisierungs- und |
| 58 | Optimierungsmotive getrieben, sondern dürfte auch den |
| 59 | Interessen und Usancen eines steigenden Anteils von |
| 60 | Erwerbstätigen entsprechen: „Die sogenannten Digital Natives |
| 61 | [ziehen] in die Arbeitswelt ein, also junge Menschen, die |
| 62 | mit dem Netz groß geworden sind. Sie erwarten |
| 63 | selbstverständlich im Job die gleichen Tools nutzen zu |
| 64 | können wie im Privatleben.“ [FN: Gillies, Constantin: |
| 65 | Digital Natives fordern Führungskräfte heraus. |
| 66 | VDI-Nachrichten vom 06. Januar 2012. Abrufbar unter: |
| 67 | http://www.vdi-nachrichten.com/artikel/Digital-Natives-forde |
| 68 | rn-Fuehrungskraefte-heraus/56690/4 ] |
| 69 | |
| 70 | In Deutschland nutzten im Jahr 2010 laut einer Befragung des |
| 71 | Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) bereits |
| 72 | 22 Prozent der Unternehmen „Wikis, Blogs, soziale |
| 73 | Online-Netzwerke oder Kollaborationsplattformen“ [FN: ZEW: |
| 74 | Interaktiv, mobil, international – Unternehmen im Zeitalter |
| 75 | von Web 2.0. ZEW-IKT-Report September 2010, S. 1. Deutlich |
| 76 | überdurchschnittliche Nutzungsanteile wiesen hier die |
| 77 | Branchencluster IT-Dienste / Telekommunikation (62 Prozent), |
| 78 | Mediendienstleistungen (39 Prozent) und Unternehmensberatung |
| 79 | / Werbung (38 Prozent) auf.] – und dieser Prozentsatz dürfte |
| 80 | sich zwischenzeitlich noch deutlich erhöht haben und in |
| 81 | absehbarer Zukunft weiter steigen. Vorrangiger Einsatzzweck |
| 82 | war dabei das Wissensmanagement (75 Prozent), gefolgt von |
| 83 | Kommunikationsanwendungen mit Kunden (66 Prozent), externen |
| 84 | Partnern (65 Prozent) und internen Akteuren (64 Prozent) |
| 85 | sowie die gemeinsame Arbeit in Projekten (62 Prozent). [FN: |
| 86 | Vgl. ZEW: Interaktiv, mobil, international – Unternehmen im |
| 87 | Zeitalter von Web 2.0. ZEW-IKT-Report September 2010, S. 2.] |
| 88 | Noch sind die langfristigen Konsequenzen der |
| 89 | „Facebookisierung“ [FN: So Prof. Wolfgang Prinz vom |
| 90 | Fraunhofer Institut für angewandte Informationstechnik – FIT |
| 91 | (zitiert nach Gillies, Constantin: Digital Natives fordern |
| 92 | Führungskräfte heraus. VDI-Nachrichten vom 06. Januar |
| 93 | 2012.).] der Unternehmen für deren Organisations- und |
| 94 | Kommunikationskultur allenfalls in Umrissen erkennbar. |
| 95 | Gleichwohl lässt sich bereits heute ein breiter Konsens |
| 96 | dahin gehend konstatieren, dass sich im „Enterprise 2.0“, |
| 97 | sofern dieses Konzept ernsthaft verfolgt wird, die |
| 98 | Zusammenarbeit grundlegend ändert und sich intensiver, |
| 99 | informeller und weniger hierarchisch gestaltet als dies |
| 100 | traditionellerweise der Fall war. Deshalb erfordert „die |
| 101 | Einführung von Social Software […] Mut und Offenheit von |
| 102 | Unternehmen. Eine grundlegende Voraussetzung für die |
| 103 | Akzeptanz und Nutzung […] ist, dass im Unternehmen insgesamt |
| 104 | eine Struktur flacher Hierarchien verbunden mit hoher |
| 105 | Eigenverantwortung der Organisationseinheiten und |
| 106 | Mitarbeiter gepflegt wird. Wichtig ist dabei eine Kultur des |
| 107 | Vertrauens und des offenen Meinungsaustauschs.“ [FN: |
| 108 | Fraunhofer-IAO: Wissensmanagement 2.0 – Erfolgsfaktoren für |
| 109 | das Wissensmanagement mit Social Software. 2010, S. 9.] Wenn |
| 110 | es zutrifft, dass „Führung […] demokratisch werden [muss]“ |
| 111 | [FN: So Prof. Thorsten Petry von der Wiesbaden Business |
| 112 | School (zitiert nach Gillies, Constantin: Digital Natives |
| 113 | fordern Führungskräfte heraus. VDI-Nachrichten vom 06. |
| 114 | Januar 2012).], um digitale Kooperation und Wissensteilung |
| 115 | zum Erfolg zu führen, so beschreibt diese Analyse eine |
| 116 | eminente Herausforderung für die Qualifizierung heutiger und |
| 117 | künftiger Generationen des Managements, aber auch der |
| 118 | Belegschaften. |
| 119 | |
| 120 | Mit den vertrauensbasierten Grundprinzipien eines |
| 121 | erfolgreichen „Enterprise 2.0“ kaum kompatibel dürften auch |
| 122 | restriktive Regelungen zur privaten Internetnutzung in der |
| 123 | Arbeitswelt sein. Einer Erhebung des BITKOM zufolge lassen |
| 124 | bereits 59 Prozent der deutschen Unternehmen eine solche |
| 125 | Nutzung durch ihre Beschäftigten zu, während dies von 30 |
| 126 | Prozent der Unternehmen komplett untersagt wird und 11 |
| 127 | Prozent bislang noch auf eine Regelung dieses Problems |
| 128 | verzichten. [FN: Vgl. BITKOM: Die meisten Unternehmen |
| 129 | erlauben private Internetnutzung am Arbeitsplatz. |
| 130 | Pressemitteilung vom 26. März 2012. Abrufbar unter: |
| 131 | http://www.bitkom.org/de/presse/8477_71631.aspx ] Dem |
| 132 | Ratschlag des BITKOM an die Unternehmen, „dem Thema offen |
| 133 | gegenüberzustehen und den Mitarbeitern mit einem |
| 134 | Vertrauensvorschuss zu begegnen“, kommt nicht nur im Blick |
| 135 | auf das Ziel einer nachhaltigen Produktivität von |
| 136 | Web-2.0-Anwendungen eine nicht geringe Plausibilität zu, |
| 137 | sondern auch im Zusammenhang mit der Sicherung der |
| 138 | Attraktivität von Arbeitgebern. So ergab eine Studie der |
| 139 | IT-Sicherheitsfirma Clearswift aus dem Jahr 2011, dass „21 % |
| 140 | der Arbeitnehmer […] einen Job ablehnen [würden], wenn das |
| 141 | Unternehmen Social Networks wie Facebook und private |
| 142 | E-Mail-Nutzung während der Arbeitszeit verbietet“. [FN: |
| 143 | Gillies, Constantin: Digital Natives fordern Führungskräfte |
| 144 | heraus. VDI-Nachrichten vom 06. Januar 2012.] |
| 145 | |
| 146 | Gleichwohl treten bei einer sowohl beruflichen wie privaten |
| 147 | Nutzung sozialer Netzwerke wie etwa Facebook |
| 148 | Abgrenzungsprobleme und Risiken für Unternehmen und |
| 149 | Beschäftigte auf, zu deren Vermeidung sich – tunlichst im |
| 150 | Konsens mit den Belegschaften und ihren |
| 151 | Interessenvertretungen entwickelte – Richtlinien und |
| 152 | Verhaltensregelungen empfehlen, wie es sie auch bereits in |
| 153 | zahlreichen deutschen Firmen gibt. [FN: Vgl. Buggisch, |
| 154 | Christian: Deutsche Social Media Guidelines. 2011. Abrufbar |
| 155 | unter: |
| 156 | http://buggisch.wordpress.com/2011/10/12/deutsche-social-med |
| 157 | ia-guidelines |
| 158 | ] Solche Guidelines sollten Orientierungen zu einem |
| 159 | adäquaten Kommunikationsverhalten, rechtlichen |
| 160 | Rahmenbedingungen (Urheberrecht, Datenschutz) und |
| 161 | Sicherheitsaspekten geben und entsprechende |
| 162 | Qualifikationskonzepte vorsehen. Ein wichtiges Ziel |
| 163 | entsprechender Regelungen muss es sein, die Akteure dabei zu |
| 164 | unterstützen, „ihre Social-Media-Nutzung so zu organisieren, |
| 165 | dass sie Berufliches und Privates überein bekommen“. [FN: |
| 166 | Hans-Böckler-Stiftung: Soziale Medien (Stand 21. März 2012). |
| 167 | Abrufbar unter: http://www.boeckler.de/33760.htm ] |
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3.3.3.4 Digitale Kooperation (Originalversion)
von EnqueteSekretariat, angelegt
